Episodes of a Gipsy Life – Ostseeinsel Fehmarn

Fehmarn
Wettermix

Auf Fehmarn ist, was das Wetter angeht, so ziemlich alles zu haben. Die erste Woche segnet uns die Sonneninsel Deutschlands tatsächlich mit ihrem gepriesenen Gut. Danach scheint sie etwas launisch gestimmt, regnet und stürmt vor sich hin. Nur gelegentlich bricht sich die Sonne Bahn zwischen den Wolken.
Nach zehn Tagen auf Fehmarn scheint sich ein ganz besonderer Tag zu ereignen. Wettertechnisch ist heute alles geboten. Sonne, Wolken, Wind und Regen, meist gleichzeitig. Nur eines fehlt noch, Hagel. Und sogar den dürfen wir an diesem Tag erleben, auf der Driving Range. Zugegeben ist das für einen Sommer auf Fehmarn jedoch wirklich untypisch.

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Golfplatz – Wulfen

Die Driving Range, inklusive Hagel, ist der Abschluss meiner aller ersten Golfstunde. Prinzipiell bin ich eher für Wassersport zu haben. Am liebsten surfe ich. Und eigentlich hatte ich vor, in diesem Sommer meine Windsurfkünste zu verbessern oder mich sogar an das viel gerühmte Kiten ran zu trauen. Da ich mir aber vor ein paar Wochen den Fuß gebrochen habe, fällt das Surfen erstmal flach. Dank des 18-Loch Platzes am Wulfener Hals entschied ich mich also endlich einmal den Golfschläger zu schwingen, der angeblich so viel Freude ins Leben bringen kann. Unwahrscheinlich, dachte ich bisher. Gleich zu Anfang möchte ich sagen, für Rechtshänder mit gebrochenem linken Fuß ist auch dieser Sport ungeeignet, gehört zur formvollendeten Pirouette mit adrettem Hüftschwung doch auch das Drehen über den vorderen Fuß. Dieser Schmerz stört jedoch nur zu Beginn, und zugegebener Maßen dann auch am Ende wieder, während ich mich darum bemühe, nicht nur die Bewegung stilecht hinzubekommen sondern auch noch den Ball zu treffen. Unheimlich fasziniert bin ich von der Häufigkeit mit der man konsequent daneben schlagen kann.

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Ich beim Golfen

Dann aber treffe ich. Der kleine gelbe Ball fliegt in hohem Bogen, einer perfekten Parabel, geradewegs von mir weg hinein in den blauen Himmel, der Sonne entgegen, bis er in dem noch nassen Grün zum Erliegen kommt. Und das ist der Moment, so simpel, so schön, in dem ich Gefallen finde am Golfen. Angeblich springt der Funke dann über, wenn man aus fünfzig Bällen zwei Ordentliche schlägt. Also nicht wundern, wenn es dann doch etwas länger dauert, bis die Liebe zum völlig zu Unrecht als Rentnersport verschrienen Ballsport aufkommt. Ernsthaft, Golfen ist anstrengend. Mein Mitspieler Martin und ich sind uns einig. Wir haben überall Muskelkater. Bei mir äußert er sich allerdings hauptsächlich in der linken Hand.

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9-Loch Platz

Gut, dass es am nächsten Tag gleich weiter geht. Nach dem Abschlag und dem Patten fehlen schließlich noch Chippen und Pitchen, um die Fähigkeiten der angehenden Golfer abzurunden. Zwei Stunden mit privatem Lehrer kosten zu zweit gerade einmal 49 Euro. Dank unserem überaus sympathischen und kompetenten Lehrer Lutz und Kraft der immer wieder durchbrechenden Sonne eine überaus gelungene Einführung in eine neue Sportart, die mir ans Herz wachsen könnte. Im Anschluss an die zweite Stunde dürfen wir uns noch auf dem 9-Loch Platz austoben, der auch ohne Platzreife bespielbar ist. Nach sechs Löchern schmerzt mein Fuß und in mir breitet sich Langeweile aus. Es geht wohl auch darum, in Gesellschaft zu spielen und nicht nur darum, mit dem Eisen den kleinen Weißen ins Loch zu befördern. Ich werde es jedenfalls wiederholen, obwohl es kein Surfen ist.

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Kitesurf Cup – Südstrand

Was das Surfen angeht, komme ich dieses Jahr, wie bereits erwähnt, leider nur in den Genuss des Zuschauens. Ich hatte gehofft, die deutschen Kitesurfmeisterschaften, die jedes Jahr im August am Südstrand auf Fehmarn statt finden, könnten mich für das verpasste Abenteuer entschädigen. Allerdings ist am ersten Tag schonmal Flaute. Ein Heat wird gestartet, muss jedoch abgebrochen werden, nachdem fast alle Surfer mitsamt ihrer Kites im Wasser landen. Schön ist es trotzdem. Die Sonne scheint, die Stimmung ist super und am nächsten Tag fliegen dann die Schirme auch wieder. Diese beobachte ich dann allerdings vom gegenüberliegenden Strand in Wulfen, wo ich mich bei ziemlichem Sturm wagemutig in die Ostsee Wellen stürze. Ich überlebe. Ist eben doch nicht der Pazifik.

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Surfgebiet – Wulfener Hals

Der Wulfener Hals gehört ebenfalls zu den Surfgebieten auf Fehmarn. Hier kann man bei der Surfschule Windsurfing Wulfen fast jede Form des Wassersports mit gutem Material erlernen. Vom surferischen Urgestein, dem Windsurfen, über den neuen Trend des Kitens bis hin zum SUP, was übrigens für Stand Up Paddling steht. Dabei bewegt man sich stehend auf einem Surfboard mit Paddel über die Wasseroberfläche. Inzwischen gibt es dafür auch aufblasbare Boards. Für den Eigenbrötler zum Mitnehmen für knappe 800 Euro. Geschenkt. Außerdem kann man Kajak und Katamaran fahren. Die Tauchschule liegt gleich nebenan. Langweilig sollte es also nicht werden. Jedenfalls nicht für Wasserratten.

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Teichhof – Campingplatz

Wer sich lieber nur erholen möchte, ist dafür auf Fehmarn allerdings ebenso richtig. Natürlich geht das überall auf der Insel, da es sich um viele kleine ruhige Orte handelt, an denen abgesehen vom Wassersport nicht überdurchschnittlich viel los ist. Ruhe pur. Am allerliebsten in Teichhof an der Nordküste. Hier gibt es zwischen zwei Größeren einen winzig kleinen Campingplatz, der eigentlich nur aus einer Pension besteht, die zusätzlich noch ein paar Stellplätze entlang des Wassers anbietet. Die Besitzer sind von neun bis elf zugegen, ansonsten ruft man einfach die angegebene Nummer an, sucht sich selbst einen Platz aus und bekommt von einer Dauercamperin den Schlüssel zu den Duschen. Diese sind im Keller des neu renovierten Appartementhauses. Spülbecken befinden sich an der Außenwand. Inzwischen sind diese auch von einem schützenden Vorbau umgeben, sodass man bei aufkommendem Wind nicht mehr vor dem Spülwasser in Deckung gehen muss.

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Teichhof

Die Lage ist meiner Ansicht nach einzigartig. Totale Ruhe, das Meer gleich hinter dem Deich. Es gibt zwar keinen sandigen Strand und das Baden ist aufgrund der vielen Steine im Wasser etwas erschwert, aber diese Idylle zwischen Bäumen und Dünen ist dennoch berauschend. Und habe ich erwähnt, dass man an dieser Küste auch noch super Surfen kann? Also, Wellenreiten. So ganz kann ich es eben doch nicht lassen mit dem Aktiv Sein.

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Katharinenhof

Ein weiterer Lieblingsplatz auf Fehmarn ist für mich die felsige Küste in Katharinenhof. Zwischen Feldern führt ein kleiner Weg durch riesige grüne Bäume hindurch zur Küste hinab, wo ein fast verwunschen daliegender Steinstrand dazu einlädt, nicht nur Fotos zu machen, sondern auch die Schönheit der Natur zu bewundern. Einen Stuhl mitzunehmen ist vielleicht empfehlenswert, wenn man nicht stundenlang auf harten Steinen sitzen möchte. Allerdings gibt es, ein Stück die Küste hoch, auch ein nettes Café direkt am Wasser, als etwas bequemere Art der Bewunderung.

Und wo wir gerade bei Cafés sind, noch zwei weitere kulinarische Tips. Erstmal ist da natürlich noch Burg auf Fehmarn, der einzige größere Ort, in dem tatsächlich auch so etwas wie Leben herrscht. Hier gibt es in der Hofpassage, umrahmt von etwaigen Surfshops, im Café im Hof den besten Kuchen. Riesige Stücke zu Dumpingpreisen, gut zum Teilen geeignet. Integriert ist ein Teekontor. Dort gibt es den allerbesten vorstellbaren Tee, zum Trinken und Mitnehmen. Mein absoluter Favorit ist der Grüntee Buddha’s Traum.

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Orth

Da wir an der Küste sind, darf natürlich auch der Fisch nicht zu kurz kommen. Und den gibt es in bester Lage in Orth. In uriger Atmosphäre auf der Veranda des Piratennests, diniert man über dem Wasser mit Blick auf den ehemaligen Fischerei- und Handelshafen, der auf seinem tiefen Blau die wunderschönsten alten und neuen Segelboote präsentiert. Perfekte Entspannung bei gutem Essen.

Braun gebrannt, ausgelastet und wohl genährt verlasse ich Fehmarn gen Süden und freue mich auf ein baldiges Wiedersehen.

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